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Des Kaisers neue Kleider – das Gerede von der “Professionalität”

15. Dezember 2011

Scheinbar ist alles ganz einfach und glasklar: Besonders in der Kreativbranche – Kunst und das Filmemachen gehören dazu – zählt selbstbewußtes Auftreten, eine tolle Website, Buzzword-veredelte Selbstdarstellungen, Hochglanzprofile und maßgeschneiderte Oberflächen und Designer-CVs, mit denen wir uns und andere über die eigene ökonomische Wirklichkeit hinwegtäuschen. Und alle, die nicht mitmachen wollen, werden mit einem einzigen Wort stigmatisiert, welches scheinbar alles erklärt: “unprofessionell”! Wir haben versucht, diesem Diktat zur Hyper-Sexyness abzuschwören und in unserem Buch u.a. das Tabu gebrochen, öffentlich übers Geld zu sprechen. Wir legen im Buch unsere Honorare, Einnahmen, Kosten und unseren Verdienst offen, weil wir für diese Camouflage keine Energie aufwenden wollen. Nun haben uns gut gemeinte und ganz berechtigte Hinweise von Lesern erreicht, die uns zunächst dafür danken, unsere Zahlen und Erfahrungen schonungslos offenzulegen, im Nachsatz jedoch warnen: Ihr macht euch angreifbar! Welcher “Kunde” möchte schon von Leuten hören, die tief im Dispo überwintern? Es sei nicht anzuraten sich selbst als Kleinunternehmer zu betiteln. Noch immer bevorzuge “der Auftraggeber” Leute, die mit properen Fahrzeugen vorfahren und die zweifelsfrei zu den “Erfolgreichen” gehören. Aber wer definiert “Erfolg”? Sind diejenigen erfolgreich, die die Professionalitäts-Maskerade meisterhaft beherrschen? Sie hätten folgerichtig großes Interesse daran, die Anderen auf Abstand zu halten. Das gelingt tatsächlich oft mit den Begriffen des “Marketings”: “Erfolgreich” sei, wer seinen “Markt” kenne! Man müsse die “Gesetze des Marktes” respektieren! Hier suche man bitte “seine Zielgruppe” und im nächsten Workshop lernen wir dann alle, wie man die “Zielgruppe” treffsicher ins Visier nimmt und in “Wohlstand” und “Wachstum” verwandelt, hocus pocus fidibus.

Doch wo genau befindet sich “der Markt” gegenwärtig? Für Fotographen, Autoren, Journalisten, Filmemacher und Musiker hat er sich beinahe in Luft aufgelöst, die können noch lange nach “Marktsegmenten” Ausschau halten. Stattdessen rät man sich gegenseitig aufzurüsten: Vielleicht zeige sich “der Markt” noch einmal, wenn man z.B. eine App programmieren läßt? Sollten wir alle zu Google+ wechseln? Was aber, wenn “der Markt” ganz verschwunden ist, so wie Webstühle und technische Zeichner, und unsere Profilaufrüstung lauter kleine Bläschen heißer Luft absondert? Mehr und mehr Energie und Aufwand fließt in die Selbstdarstellung und das Aufrechterhalten unserer Masken. Aus vielen kleinen Bläschen entstehen größere Blasen, die von den “Creative Industries” zum Beispiel, viele große Blasen passen zur Blasenökonomie, die gerade platzt. Und was wir mit unserem Buch versucht haben: Wir rüsten einseitig ab! Nach der Blasenökonomie kommt eine neue Ökonomie. Es lohnt sich schon jetzt neue Ideen zu explorieren. Den Ballast, uns selbst und andere dauerhaft zu täuschen, sollten wir uns nicht mehr leisten. Stattdessen könnte man diese Energie in echte Kooperation investieren. Kooperation funktioniert nicht ohne Ehrlichkeit. Solange der Einzelne noch Angst hat, die eigene wirtschaftliche Realität beim Namen zu nennen, wird er nicht kooperieren. Deshalb hat die kreative Klasse keine Stimme, deshalb besteht sie aus lauter Einzelkämpfern, die einander mißtrauen und konkurrieren. Die Zahlen offenzulegen, das wäre ein Anfang. Aber es erfordert den Mut zum “unprofessionell” sein.

Was wäre unser “Gewinn”? Wir bekämen mehr Zeit für andere Dinge. Wir könnten kooperieren und neue Modelle des Arbeitens entwickeln. Wir entdecken Communities, die manchmal unsere Projekte tragen werden. Wir explorieren eine andere, nachhaltige Form des Wirtschaftens, die die strapazierten Begriffen des Marktes durch “Community” ersetzt und deren Regeln erst noch entdeckt werden müssen. Wir könnten einen Teil der Ängste abbauen, mit denen heute jede und jeder allein fertig werden muß. Wir könnten beginnen, eine Community zu bilden.

Self Publishing im Schnelldurchgang

3. Dezember 2011

Nur zur Erinnerung: Das erste E-Book haben wir am 4.11. verkauft, bis heute sind es 162. Eine Handvoll PrintBooks wurden Ende Oktober vorbestellt, eine Uni hat gleich 25 Stück geordert, doch eigentlich ging es erst am 4.11. los, mit dem futurezone-Interview und heute sind es 132 Vorbestellungen. Noch am 22. November erreichten uns Korrekturen und wir haben das Manuskript wieder ausgebessert. Von der WORD-Datei zum Lektorat, zum Buchcover, zum E-Book bei Amazon, zum DIY-Satz und Probedruck, zur günstigen Druckerei, zur Community und 306 verkauften Büchern und zum Break Even in 4 Wochen! Man sollte meinen, wir hätten das geplant. Aber weit gefehlt. Wir sind total überrascht, wie schnell alles ging. Was bitte macht eigentlich ein Verlag? (ketzerische Frage)

Wovon handelt unser Buch noch einmal? Ach ja, von der Eigenvermarktung und es verspricht, die Frage zu beantworten, wie man mit einer Community die eigene Kreativarbeit in Einkommen verwandelt. In den vergangenen Wochen haben wir unser eigenes Buch gelesen, einige der Ratschläge des Buches haben wir auf das Self Publishing übertragen. Heute feiern wir den Break Even des Buches, das heisst: Die etwa 2900 Euro, die wir eingesetzt haben, konnten wir schon wieder einspielen. Unsere kleine Theorie des Community Buildings scheint sich zu bewähren. Wenn es so weiter geht, dann beweist der Erfolg dieser Kampagne die Kernthesen des Buches! Eine davon lautet: Warte nicht auf Institutionen, Plattformen, Preisausschreiben oder große Firmen: Wer bitte braucht eigentlich noch Verlage? Self Publishing macht viel Arbeit, aber auch viel Spass.

Was sonst noch passiert ist: Der Verkauf hat sich ein wenig beruhigt, wir haben daher ein Partner- und Affiliateprogramm gestartet um noch sichtbarer zu werden. Partner binden unser Banner und die Leseprobe ein und werden am Umsatz beteiligt. (Beispiel: e-book-news) Außerdem gibt es endlich eine Seite für Wiederverkäufer. Wer uns mindestens 5 Bücher abnimmt, ist für uns ein Wiederverkäufer. (Das könntest Du sein!) Natürlich gibt es dafür attraktive Konditionen. Nach hitzigen Diskussionen haben wir beschlossen, dass es zum PrintBook grundsätzlich unsere DVD als Beileger gibt, auch für die Wiederverkäufer! Wir halten das erste PrintBook in Händen: Uns gefällt es und am Dienstag kommen 500 Stück davon! Mittwoch sind wir dann zu Gast an der Uni Potsdam.

Manchmal erreicht uns eine Nachricht von einem Leser oder einer Leserin und wir freuen uns immer. Vielleicht schreibt ihr einen Kommentar in die Leseprobe, welches Kapitel euch z.B. besonders angesprochen hat. Ihr könnt das auch anonym machen, wenn ihr nicht mit dem Buch unterm Arm gesehen werden wollt. Wir vertragen auch Kritik! Bislang haben wir sämtliche Kommentare sofort freigeschaltet. Los, traut euch.

Co-Working Spaces, Kapriolen und Überstunden

25. November 2011

Ein früher Prototyp einer Maschine, um den Ideenüberdruck zu erzeugen und dauerhaft nutzbar zu machen.

Am Sonntag standen wir mit kalten Füssen am Mauerpark und haben Flyer verteilt. Normalerweise ist dort Flohmarkt und hippe Leute aus aller Welt suchen Neues und Altes. Doch der Totensonntag ist auch in Berlin ein Feiertag, die Flyer haben wir dann in 20 Kinos platziert, immer brav gefragt und  zu den 250 anderen dazugelegt. Naja. Montag haben wir alle Co-Workingspaces der Stadt abgeklappert: Tante Renate, CoUp, Weserland, wo gerade die Wände frisch gestrichen werden, alles in Kreuzkölln, im Prenzlauer Berg ins mobilesuite, wo wir wie in der Senatorlounge der Lufthansa empfangen werden, dann auf einen Kaffee ins betahaus: Unseren Flyer drücken wir der Assistentin einer Assistentin des Gründerteams in die Hand. Im tiefsten Neukölln ins Agora, welches besonders schöne Räumlichkeiten bietet und alle sprechen Englisch. Die Spaces der Stadt könnten kaum unterschiedlicher sein, aber sie sind offen für (unsere) Ideen: Wir planen eine Lesereise. Abends vorm Logfile: Totale Ebbe, Offline-Flyer-Strategie vorerst gescheitert.

Nachts nur mal kurz E-Mails abgerufen: E-Book-Bestellungen im Minutentakt. Slashcam hat eine Buchbesprechung veröffentlicht, mehr als 60 E-Books per Paypal schon bezahlt, dazu 20 PrintBooks in drei Tagen. Dienstag klingelt es und endlich erreicht uns der Probedruck unseres Buches! Lange Gesichter, die Farben des Covers sind verrutscht, der Satz passt nicht, das Papier gefällt uns nicht…gehen Sie zurück auf LOS. Dann erreichen uns weitere Korrekturen von Lesern, ein Dank an Valentin Steiner, was er fand haben alle anderen übersehen. Zwischendurch stürmt unser E-Book im amazon kindle Shop auf Platz 1 der Fachbücher Medienwissenschaft! Auch in der Kategorie E-Business stehen wir ganz oben! Wir lassen die Bücher “Starke Webtexte!” von Dr. Doris Doppler und “Geld verdienen mit Twitter” klar hinter uns! Wahnsinn. Sofort ein Blick in die Verkaufsübersicht bei amazon: Drei verkaufte E-Books an EINEM Tag!

Die Fakten: Bislang 138 E-Books verkauft und geliefert, 3 via amazon.de, dazu 124 PrintBook-Bestellungen, insgesamt 266 verkaufte Bücher ohne unsere Wiederverkaufsanfragen. Vier Einladungen/Buchungen für Workshops, am 7.12.2011 unsere Ringvorlesung n_space, “Medienproduktion im Wandel”.

Auf der Suche nach der Community.

19. November 2011

Wer sind unsere Besteller, wer unsere Leserinnen? Nach jeder Bestellung googlen wir oder gehen auf die Website: creative.nrw.de, kreativgesellschaft.org, vonherzzuherz.com, klein-aber-fein.de, gally-film.de und so weiter…Designer, Filmemacher, Photographen und Kulturinstitutionen und die Salzachtaler Kunstschmiede. Ein Dank an euch alle.

Geografisch kristallisieren sich die Zentren Hamburg, Berlin und das Ruhrgebiet heraus, aus Essen erreichte uns die Bestellung der wohngemeinschaft-essen.de, einem Laden für Designprodukte aus der Region. Hurra! Unsere erste Wiederverkäuferin! Unser E-Book ist nun auch am hinteren Ende des Long Tails bei amazon.de angekommen.

Was wir in den vergangenen 10 Tagen gemacht haben?

Wir haben 3 Vertragsangebote durchgeackert, ein Angebot einer Verlagsplattform und das eines E-Book-Resellers. Letztlich haben wir entschieden, doch alles selber zu machen. Es gibt nun Flyer, das fertige Buchcover mit Rückseite und – ach ja, wir haben 93 Besteller(-innen) fürs PrintBook, heute erreichte uns die Bestellung eines Kreativkaufhauses für Künstlermaterialien. Damit haben wir das Ziel erreicht, um ehrlich zu sein: Der dritte Vertrag ging bereits an die Druckerei: Startauflage 500 Stück, Paperback. Anfang Dezember ist unser Buch lieferbar! Die Weizenbaum-DVDs liegen schon bereit. Montag verschicken wir die Zahlungsaufforderung.

Was ihr jetzt für uns tun könnt? Wir brauchen Rezensionen! Wir suchen weitere Läden, Geschäfte für besondere Dinge, in die unser Buch passt, Co-Workingspaces, wir freuen uns über Kommentare, gerne auch im Leseprobe-Booklet. Der Kampf um Aufmerksamkeit geht weiter, wir sind erst einmal unheimlich erleichert, froh und dankbar, dass die Erstauflage abgesichert ist. Danke an alle, die uns geholfen haben! Danke an Kathrin und Ralph fürs Korrigieren. Dank an Ansgar für die E-Book- und Readerberatung. Dank an Franz für die Buchhändlerberatung. Ein Dank an alle Evangelisten, besonders an Ulrike Fischer aus Dortmund! Land in Sicht.

Update: Was bislang geschah.

9. November 2011

Warum schreiben wir einen Blog und dann gibt es 10 Tage kein Update?

Weil so viel passiert ist: Kaum war die Website online, da hat uns die TAZ, und dann Futurezone und golem mit Artikeln überrascht. Da war das Cover noch nicht einmal fertig. In einer Woche haben wir die letzten Verbesserungen am Text gemacht, die Website zu Ende gearbeitet und dann kamen auch schon die Bestellungen: Es sind genau 69 (!) bis zur Stunde, wir brauchen 100. Ausserdem haben wir schon über 40 E-Books direkt verkauft und verschickt. Vom fertigen Text zu den Lesern, alles in ein paar Tagen; schneller geht’s nicht. Morgen sind wir in Friedberg bei Giessen und Freitag sitzen wir dort in einer Jury für ein Filmfestival. Die MOBI-Version des Buches ist fast fertig, beta eben, die gibt’s voraussichtlich ab Montag. Heute erhielten wir eine Einladung auf das Interfilm Short Film Festival in Berlin, um unser Buch vorzustellen. Vielleicht sehen wir uns. Puh. Bis Montag werden wir etwas langsamer reagieren. Danke bis jetzt. Das PrintBook sollte Anfang Dezember verfügbar sein!
Übrigens, wir freuen uns auf eure Kommentare!

Unser Buch ist fertig!

31. Oktober 2011

Wir brechen gleich zu Beginn mit einem Tabu: Wer Filme macht, wer von seiner Musik oder vom Schreiben leben möchte, kurz, wer von der eigenen Kunst- und Kulturarbeit leben möchte, erlebt oft, daß es total uncool ist, vom Geld zu reden. Es ist verpönt, fast so, als müßte man sich dafür schämen, etwas so Privates überhaupt angesprochen zu haben und wenn man es tut, dann steht man meistens allein damit. Irgendwie peinlich.

Dieses Buch bricht mit einer Tradition, nämlich über eines der wichtigsten Themen der unabhängigen Kulturarbeit zu schweigen: Die Finanzierung, das Geld, die Kohle, der schnöde Mammon…

Wie macht man das erfolgreich: Die Selbstvermarktung und unabhängige Produktion eines Projektes? Wie kommt man zu Geld? Wie baut man einen Eigenvertrieb auf? Was muß beachtet werden? Darf man das? Soll ich so etwas wagen? Müssen wir uns nun selbstständig machen und was bedeutet das? Und so weiter, und so weiter…tausend Fragen, mit denen man sehr schnell sehr allein ist. Zur Bestellung…

Kurzfilm zum Buch

23. Oktober 2011

Kann man denn davon leben?

Für Start-ups, Firmen und Unternehmer gibt es wunderbare Marketingvokabeln, mit denen man jede Unpässlichkeit hinreichend erklären und Widersprüche verpacken kann. Wir machen Filme, ohne TV-Beteiligung, ohne die sogenannte Filmförderung, wir produzieren selbst und wir leben vom Eigenvertrieb via Internet. Was wir dabei gelernt und erfahren haben, haben wir alles in unser Buch gepackt: Ein gutmütiges wie launiges Handbuch der Best Practices für uns DIY-Nomaden, eine Art Schweizer Messerchen für Eigenvermarktungs-(Über)Lebenskünstler aller Couleur.

Unser Buch ist für alle Kulturarbeiter, die mit Community-basierter Selbstvermarktung ihr Auskommen und Einkommen suchen. Es ist für Autoren, Grafiker, Designer, Journalistinnen, Bildende Künstlerinnen, Filmemacherinnen und alle, die von der eigenen Kreativarbeit leben wollen. Es entwirft eine Skizze nachhaltigen Wirtschaftens abseits der Wachstumsmythen der (noch) vorherrschenden Blasenökonomie. Es ist ein Aufbruch, unausgewogen, ermutigend und respektlos, anstiftend und auffordernd, aufzubrechen und einfach mitzumachen.
Hier den Film auf youtube ansehen.

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