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Vorsicht Kreativwirtschaft!

27. Oktober 2012

Nun ist es etwa 1 Jahr her, dass wir mit unserem Buch unser Eigenverlagsexperiment begonnen haben. Somit Zeit für ein Fazit: Viel, sehr viel Arbeit, um das Buch bekannt zu machen und unsere Community zu finden. Weniger, viel weniger Arbeit, um es zu schreiben! Schade eigentlich, aber passend zur Zeit.

Die Erstauflage von 500 Printbooks ist bis auf 30-40 Exemplare verkauft, danke an alle Leser, Käufer und Unterstützerinnen. Vor allem die E-Books haben sich gut verkauft, insgesammt haben wir über 1000 Bücher verkauft, via Amazon aber lediglich 200. Interessant war, dass uns die sogenannte Kreativwirtschaft, also meistens öffentlich finanzierte Beratungs- und Koordinationsstellen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes, entdeckt und eingeladen haben, einen Vortrag zu halten. Nach einem Honorar darf man meistens gar nicht fragen, selbst wenn das Tagungsthema “Die Arbeit der Kreativwirtschaft zwischen Ausbeutung und Selbstverwirklichung” lautet! Wir haben uns für “Selbstverwirklichung” entschieden und eine Anfrage der Kreativwirtschaft Leipzig dankend abgelehnt.

Der Begriff “Kreativwirtschaft” ist irreführend und wenig hilfreich, deswegen kommt es oft zu grossen Missverständnissen. Ist denn “die Wirtschaft” nicht generell kreativ? Erneuerung und ständige Selbsterfindung sind doch Voraussetzungen für alle erfolgreichen Unternehmungen, ganz gleich in welcher Sparte. Andererseits, Filmemacher, bildende Künstler und Musiker lassen sich nicht gern unter den Begriff “Wirtschaft” zusammenfassen. Auch wir wollen lieber nicht zur “Kreativwirtschaft” gezählt werden. Erstens haben wir mit Computerspielherstellern und Werbeagenturen so gar nichts gemeinsam, zweitens hat der Begriff “Wirtschaft” unangenehme Nebenwirkungen und weckt unpassende Erwartungen: Umsatzplus, Gewinn, Rendite oder Geschäftsmodell, Dauerarbeitsplatz, Nachhaltigkeit usw. Andererseits hätte das auch Vorteile: Wenn man versehentlich mal ein oder zwei Milliarden Euro verschludert, werden sie vom Steuerzahler anstandslos ersetzt, vorausgesetzt man hat z.B. eine Kreativ-Bank gegründet. Ich mache hiermit den Vorschlag, Banken zur Kreativwirtschaft dazuzuzählen, schliesslich gehört auch die Werbewirtschaft dazu. Das hätte nämlich folgende Vorteile: Der Umsatz der “Kreativwirtschaft” stiege beträchtlich an, der Anteil an der wirtschaftlichen Gesamtleistung ebenso, die Bedeutung des “Kreativsektors” würde in der Folge dramatisch wachsen, selbst die Kreativwirtschaftsfunktionäre und Apparatschiks hätten etwas davon: Planstellen, Festanstellungen, Subventionen in Hülle und Fülle. Überschriften, die man dann lesen könnte:

“Umsatz der Kreativwirtschaft verhundertfacht!”
“Geschafft: Kreativsektor grösser als die Automobilindustrie.” oder aber:
“Hoffnung nach Atomausstieg: Wenigstens der Kreativsektor wächst 3-stellig.”
“Rettung für den Euroraum: Kreativwirtschaft explodiert.”

Der Vorschlag, Banken zur Kreativwirtschaft hinzuzurechnen, ist gar nicht so abwegig, denn viele Banken bilanzieren so kreativ und haben ständig einfallsreiche Anlageformen und sogenannte “Produkte”, dass sie manchen frustrierten Filmemacher oder Autor an Einfallsreichtum spielend übertreffen. (Ich weiss jetzt nicht, ob ich mich dazuzählen müsste.)

Es kommt nämlich auf die richtige Gruppierung, die Konfektion des Sektors an, ob er etwas zählt oder nicht. Deswegen erhält etwa “die Kunst” keinen eigenen Sektor, sondern wird als “Kunstwirtschaft” einfach subsummiert. Einige Eigenschaften “der Kunst” und der Künstlerinnen sind hingegen sehr willkommen: Künstler identifizieren sich total mit ihrer Arbeit, sie trennen privat nicht von beruflich, sie brennen für ihre Mission, für ihr Werk, bishin zur Selbstaufgabe. Bis hierhin schön und gut und daher grundsätzlich anwendbar auf andere Branchen der Kreativwirtschaft, z.B. auf den “Architekturmarkt” oder den “Pressemarkt”.

Das erklärt vielleicht, warum Journalisten nicht mehr von Ihrer Arbeit leben können. Oder warum es für viele Architekten normal ist, 80 Wochenstunden zu arbeiten. Das kommt von den Künstlern, weil die so ungemein brennen! Das ist Creative Highly-Selective-Back-Labelling, also das teilweise Abfärben von erwünschten Eigenschaften einiger Mitglieder der Kreativwirtschaft auf alle übrigen. In der Biologie nennt man den Vorgang Kreuzung. Es entstehen sehr widerstandsfähige Organismen, die die besten und erwünschten Eigenschaften vereinen: Die Wirtschaftskraft des Werbemarktes, die Kreativität des Bankenmarktes, die Selbstaufgabe der Teilnehmer des Kunstmarktes, die Zielstrebigkeit der Kreativmarktfunktionäre. Voilá.

Aber warum hat ausgerechnet uns die “Kreativwirtschaft” so oft gefragt, unser Buch und unser Slow-Budget-Self-Funding vorzustellen? Wir wissen es nicht. Wissen Sie es?

Unterwegs zum Grundeinkommen

29. Februar 2012

Vor ein paar Tagen wurden wir von einer Buchbestellung überrascht. Nicht dass wir nicht beinahe täglich PrintBooks zur Post bringen, aber in diesem Fall hat es uns zu denken gegeben. Daniel Häni von der Initiative Grundeinkommen und Betreiber des Unternehmen Mitte in Basel hat unser Buch erworben. Was bitte hat unser Slow-Budget-Self-Funding mit dem unbedingten Grundeinkommen zu tun? Haben wir da etwas übersehen? Wir haben uns erst einmal einen Film der Initiative angesehen, man kann ihn downloaden und er erklärt sehr ausführlich das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Folgende Ähnlichkeiten haben wir gefunden: Unser Self-Funding ist keine Methode, um Gewinne zu erzielen, sondern diente immer nur dazu, die jeweilige Kulturarbeit weiterzuführen oder zu Ende zu bringen. Slow-Budget haben wir nicht als raffinierte Vertriebsstrategie begriffen, sondern als eine Methode, unseren jeweiligen Film weiterdrehen oder schneiden zu können. Die Crowd, die uns das seit einiger Zeit ermöglicht hat, sind nicht unsere Stammkunden, sondern Leute, die unsere Ideen und Filme auf vielfältige Weise unterstützt haben. Die Crowd, die den Weizenbaumfilm und unser Projekt getragen hat, hat uns gleichsam erlaubt, mit dem Film auf Tour zu gehen und in den vergangenen 3 Jahren einen neuen Film zu recherchieren und zu drehen. Was uns diese Crowd geschenkt hat, haben wir manchmal den Horizont des Handelns genannt. Also die Reichweite unserer Mittel, der Ressourcen. Wir haben nicht gefragt, was brauchen wir, um in England zu drehen, sondern: Was können wir erreichen, wenn uns die Weizenbaum-Tournee nach Trier und in den Hunsrück führt.

Bei einer Diskussion nach einer Lesung hat jemand aus dem Publikum am Ende gefragt: Habt ihr einmal den Stundenlohn ausgerechnet, für welchen Stundenlohn arbeitet ihr eigentlich? Wir haben ziemlich beleidigt reagiert, denn so haben wir unsere Arbeit nie gesehen. Die Frage hat sich einfach nicht gestellt. Denn immerhin haben wir meistens doch das getan, was wir wollten. Die Frage: Was würdest du tun, wenn für dein Grundeinkommen gesorgt wäre? Diese Frage konnten wir immer leicht beantworten: Wir haben getan, was wir wollten. Wir wollten mit dem Weizenbaumfilm auf Tour gehen und wir wollten einen weiteren Dokumentarfilm erarbeiten, wir wollten auch irgendwann einmal ein Buch schreiben. Alles das konnten wir tun und haben es auch getan. Man könnte auch sagen, unsere Slow-Budget-Methode hat uns ein Einkommen beschert, welches unsere Arbeit ermöglichte. So gesehen gibt es doch ein paar Berührungspunkte mit den Ideen des Grundeinkommens.

2008 war ein komisches Jahr. Wir dachten eigentlich, dass die Tournee zu Ende geht und wir haben verzweifelt nach einem neuen Filmthema gesucht. Im Frühjahr ist Joseph Weizenbaum dann leider verstorben und wie er es uns vorhergesagt hatte, stieg das Interesse an unserem Film sprunghaft an. Für einen Sommer lang war unser Einkommen an keine Bedingung geknüpft. Wir haben einfach die Bestellungen morgens abgearbeitet, die Pakete gepackt und zur Post gebracht und um 10:15 Uhr am Morgen war schon wieder Feierabend. Diesen Freiraum haben wir mit einem neuen Projekt ausgefüllt und haben ein Drehbuch geschrieben. (Das Drehbuch wurde nie verfilmt, wir konnten es später nicht verwerten, es ist vielleicht auch nicht wirklich gut geworden, schade)

Vielleicht ist unser Modell des Slow-Budget-Self-Funding eine Brücke, hin zum Grundeinkommen. Vielleicht sind die vielen erfolgreichen Beispiele des Crowdfundings Vorboten neuer, anderer Einkommensmodelle. Eine diffuse Menge von Anonymen erlaubt jemandem, ein Buch zu schreiben, einen Film zu drehen, ein Gadget zu entwerfen und herzustellen. Viele Einzelne können sehr viel erreichen, wenn sie die Dinge selbst in die Hand nehmen. Das ist ungemein ermutigend. Nicht nur in der Kunst und in der Kulturarbeit werden die meisten Arbeiten überhaupt nicht entlohnt, es sind Arbeiten, die getan werden, aber das Einkommen, welches die Arbeit erst ermöglicht, kommt von woanders. Das ist anstrengend und produziert Existenzängste in allen Farben und Schattierungen. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens kämpft mit Zumutungen einer abstrakten Utopie. Es fehlen die positiven, unmittelbar verständlichen Vorbilder und gelebten Beispiele.

Daher unser Vorschlag: Man sollte darüber nachdenken, die gesamte sogenannte Filmförderung abzuschaffen. So könnte der Steuerzahler teure und wenig förderliche Verwaltungsstrukturen einsparen, die freigewordenen Budgets könnten für einen einmaligen Großversuch eingesetzt werden: Bedingungsloses Grundeinkommen für Filmschaffende und Künstler. Nicht Strukturen oder Firmen oder Institutionen würden bedacht, sondern die Einzelne und der Einzelne. Wieso misstrauen Institutionen und auch Stiftungen den Einzelnen so sehr? Einzelne Kameramänner und Regiseurinnen, Filmemacher und Maskenbildner könnten arbeiten und fänden sich bald zu neuen Kooperationen zusammen. Die Filme und Produktionen, die dann entstünden, wären ein schlagendes Argument für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens und ein wunderbares Experiment. Wenn wir uns doch endlich durchringen könnten, den Einzelnen alles mögliche zuzutrauen! Eine andere Welt ist denkbar.

Fundstücke und Berlinale

13. Februar 2012

Zugegeben, wir verbringen auch sehr viel Zeit “im Netz”. Überraschend und interessant fanden wir einen Artikel über einen Filmemacher, der ähnlich arbeitet wie wir. taz-Artikel Er produziert selbst und unabhängig und lehnt Subventionen und sogenannte Förderungen ab. Haben wir da jemanden aus unserer Peergroup gefunden? Ausserdem betreibt er auch das Campingkino in Berlin. In Neuauflage und in überarbeiteter, erweiterter Fassung liegt nun das amtliche Krautfundingbuch von Ansgar Warner vor. Es bietet einen fundierten Überblick über die deutsche Crowdfundingszene, über Projekte, Beispiele und Erfolgsgeschichten, über die Plattformen, die in Deutschland funktionieren und Projekte realisieren helfen.

Wie kritisch wir die Filmfestivals sehen, wissen diejenigen, die unser Buch lesen. Dennoch stehen wir genauso in der Schlange und versuchen an Tickets zu kommen. Einen Film haben wir entdeckt und den müssen wir unbedingt sehen. Dokumentarfilm – in arbeit
Die Doku von Minze Tummescheit und Arne Hector beschäftigt sich mit neuen Formen der Kooperation von Filmschaffenden und Kreativarbeitern. Interessant scheint auch die Form der Erzählung als Ketteninterview. Eine hoffentlich interessante Filmwoche für alle BerlinalebesucherInnen wünschen wir euch!

tip-berlin Interview und Buchbesprechungen

4. Februar 2012

Letzte Woche Interviews mit einem Karriereblog und dann mit dem tip berlin, Erik Heier hatte sich angemeldet und wollte uns besuchen. Doch dann lag seine ganze Familie mit Scharlach im Bett und er verbrachte mehr Zeit in Wartezimmern als in der Redaktion. Uns war ein Telefoninterview auch lieber: Das Ergebnis ist für uns sehr erfreulich, in der aktuellen Ausgabe 4/12 auf Seite 61 blicken wir euch entgegen, gleich hinter dem umfangreichen Berlinale-Teil vom tip. Sonst haben sich ein paar Blogs getraut, unser Buch vorzustellen. Hauptsächlich sind es gerade Berater, die unser Buch kaufen und besprechen. DesignersBusiness von Joachim Kobuss hat uns eine durchaus schmeichelhafte Buchvorstellung gewidmet, “etwas Revolutionäres liegt in der Luft!” und “Revolution der Kreativökonomie”. Dann hat eine neue Plattform und Stiftung, FuturZwei, ein Rezensionsexemplar unseres Buches angefordert. Was uns zu der erneuten und etwas nervigen Aufforderung überleitet: Liebe Blogger und Bloggerinnen, die das Buch schon erhalten haben, besonders diejenigen, die ein Rezensionsexemplar erhalten haben, bitte schreibt etwas. Und wenn es keine Rezension wird, dann bitte eine kurze Buchvorstellung. Unsere Erfahrungen bislang mit dem Buch-Eigenvertrieb haben ergeben: Was nicht redaktionell begleitet, besprochen, empfohlen oder bewertet wird, geht unter! Das haben wir auch mit unserem Affiliate- und Partnerprogramm gesehen. Lediglich die Buchbesprechung bei slashcam hat viel gebracht, Bannerads oder Buchcover auf anderen Portalen sind bislang leider wirkungslos geblieben. Heute hat golem.de mit der Veröffentlichung von Denkanstössen von Joseph Weizenbaum begonnen. Dabei handelt es sich um kurze Szenen aus unserem Archiv des Weizenbaum-Dokumentarfilms, der Gesellschaftskritiker und Informatikpionier spricht über Gott und die Welt und wie sich heute zeigt, wird sehr intensiv auf golem.de diskutiert. Fortsetzung folgt.

Filmaufnahmen zum Dokumentarfilm "Weizenbaum. Rebel at Work"

Spätstarter im neuen Jahr! Da sind wir wieder.

25. Januar 2012

Ach, da ist es schon wieder soweit! Nach kurzem Winterschlaf sind wir wieder am Start. Im neuen Jahr haben wir unsere eigentliche Beschäftigung wieder aufgenommen: Wir schneiden unseren Dokumentarfilm, für den wir 3 Jahre lang unterwegs waren und dessen Dreharbeiten wir im vergangenen Jahr beenden konnten. 2012 soll er endlich fertig werden. Daher läuft bei uns die Betreuung des Buches ein wenig nebenher. Das strenge “Entweder-ganz-oder-gar-nicht” unseres Buches haben wir einfach mal gebrochen.

Auf die Frage, wo man das PrintBook sonst noch kaufen kann, gibt es endlich eine verbindliche Antwort: Spätestens im April ist es von Bad Reichenhall bis Hamburg sowie in Österreich in sämtlichen Filialen von boesner zu erstehen. (boesner – professionelle Künstlermaterialien) Unser Buch hat es auch in den Jahreskatalog 2012 geschafft. Endlich hat sich wieder einmal eine Bloggerin für das Buch interessiert: Die Karriere- und Veränderungsberaterin Svenja Hofert interviewt uns heute und ein weiteres Gespräch führen wir morgen mit einem Tip-Berlin-Redakteur, aber dazu demnächst mehr.

Wer eine Leseprobe und unsere Kurzpräsentation des Buches in Berlin verfolgen möchte, kann zum betabreakfast am 9.2.2012 ab 9:30 Uhr kommen. Wir dürfen beim gemeinsamen Frühstück unser Buch und das Projekt vorstellen. Euch allen einen guten Start ins neue Jahr!

Diesmal wollen wir auf einige Bücher hinweisen, die uns inspiriert oder beeinflußt haben, auch wenn einige schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben:

* Wir nennen es Arbeit, von Holm Friebe und Sascha Lobo
Dieses Buch haben wir 2007 verschlungen und gemeinsam gelesen, es hat uns vor allem gezeigt, dass wir nicht ganz allein unterwegs sind und uns in vielen Kapiteln aus der Seele gesprochen.

* Wovon lebst du eigentlich? – Vom Überleben in prekären Zeiten. von Jörn Morisse und Rasmus Engler
Das Buch stellt verschiedene Kreativarbeiter vor, auch Filmemacher, aber auch Autorinnen, wie z.B. Kathrin Passig, oder Übersetzer/Autoren, wie Harry Rowohlt. “Muss man erst durchs Minus gehen, um auf Plus zu kommen?”

* Eigenblutdoping, Diedrich Diederichsen, Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation
Interessante Sammlung von Essays, die nicht immer einfach zu lesen und zu verstehen sind, aber denen wir so schöne Begriffe wie “Kunstmarktskunst” und “Steuerzahlerkunst” zu verdanken haben.

* Minusvisionen – Unternehmer ohne Geld, Protokolle von Ingo Niermann
Bunte Mischung von Leuten, von denen wir manch einen aus der New Economy wiederkannten.

* Meconomy von Markus Albers, haben wir allerdings nur auszugsweise gelesen. Das Projekt ist jedoch interessant, da Markus Albers einer der ganz wenigen Self-Publisher in Deutschland ist, vielleicht sogar der erste.

Des Kaisers neue Kleider – das Gerede von der “Professionalität”

15. Dezember 2011

Scheinbar ist alles ganz einfach und glasklar: Besonders in der Kreativbranche – Kunst und das Filmemachen gehören dazu – zählt selbstbewußtes Auftreten, eine tolle Website, Buzzword-veredelte Selbstdarstellungen, Hochglanzprofile und maßgeschneiderte Oberflächen und Designer-CVs, mit denen wir uns und andere über die eigene ökonomische Wirklichkeit hinwegtäuschen. Und alle, die nicht mitmachen wollen, werden mit einem einzigen Wort stigmatisiert, welches scheinbar alles erklärt: “unprofessionell”! Wir haben versucht, diesem Diktat zur Hyper-Sexyness abzuschwören und in unserem Buch u.a. das Tabu gebrochen, öffentlich übers Geld zu sprechen. Wir legen im Buch unsere Honorare, Einnahmen, Kosten und unseren Verdienst offen, weil wir für diese Camouflage keine Energie aufwenden wollen. Nun haben uns gut gemeinte und ganz berechtigte Hinweise von Lesern erreicht, die uns zunächst dafür danken, unsere Zahlen und Erfahrungen schonungslos offenzulegen, im Nachsatz jedoch warnen: Ihr macht euch angreifbar! Welcher “Kunde” möchte schon von Leuten hören, die tief im Dispo überwintern? Es sei nicht anzuraten sich selbst als Kleinunternehmer zu betiteln. Noch immer bevorzuge “der Auftraggeber” Leute, die mit properen Fahrzeugen vorfahren und die zweifelsfrei zu den “Erfolgreichen” gehören. Aber wer definiert “Erfolg”? Sind diejenigen erfolgreich, die die Professionalitäts-Maskerade meisterhaft beherrschen? Sie hätten folgerichtig großes Interesse daran, die Anderen auf Abstand zu halten. Das gelingt tatsächlich oft mit den Begriffen des “Marketings”: “Erfolgreich” sei, wer seinen “Markt” kenne! Man müsse die “Gesetze des Marktes” respektieren! Hier suche man bitte “seine Zielgruppe” und im nächsten Workshop lernen wir dann alle, wie man die “Zielgruppe” treffsicher ins Visier nimmt und in “Wohlstand” und “Wachstum” verwandelt, hocus pocus fidibus.

Doch wo genau befindet sich “der Markt” gegenwärtig? Für Fotographen, Autoren, Journalisten, Filmemacher und Musiker hat er sich beinahe in Luft aufgelöst, die können noch lange nach “Marktsegmenten” Ausschau halten. Stattdessen rät man sich gegenseitig aufzurüsten: Vielleicht zeige sich “der Markt” noch einmal, wenn man z.B. eine App programmieren läßt? Sollten wir alle zu Google+ wechseln? Was aber, wenn “der Markt” ganz verschwunden ist, so wie Webstühle und technische Zeichner, und unsere Profilaufrüstung lauter kleine Bläschen heißer Luft absondert? Mehr und mehr Energie und Aufwand fließt in die Selbstdarstellung und das Aufrechterhalten unserer Masken. Aus vielen kleinen Bläschen entstehen größere Blasen, die von den “Creative Industries” zum Beispiel, viele große Blasen passen zur Blasenökonomie, die gerade platzt. Und was wir mit unserem Buch versucht haben: Wir rüsten einseitig ab! Nach der Blasenökonomie kommt eine neue Ökonomie. Es lohnt sich schon jetzt neue Ideen zu explorieren. Den Ballast, uns selbst und andere dauerhaft zu täuschen, sollten wir uns nicht mehr leisten. Stattdessen könnte man diese Energie in echte Kooperation investieren. Kooperation funktioniert nicht ohne Ehrlichkeit. Solange der Einzelne noch Angst hat, die eigene wirtschaftliche Realität beim Namen zu nennen, wird er nicht kooperieren. Deshalb hat die kreative Klasse keine Stimme, deshalb besteht sie aus lauter Einzelkämpfern, die einander mißtrauen und konkurrieren. Die Zahlen offenzulegen, das wäre ein Anfang. Aber es erfordert den Mut zum “unprofessionell” sein.

Was wäre unser “Gewinn”? Wir bekämen mehr Zeit für andere Dinge. Wir könnten kooperieren und neue Modelle des Arbeitens entwickeln. Wir entdecken Communities, die manchmal unsere Projekte tragen werden. Wir explorieren eine andere, nachhaltige Form des Wirtschaftens, die die strapazierten Begriffen des Marktes durch “Community” ersetzt und deren Regeln erst noch entdeckt werden müssen. Wir könnten einen Teil der Ängste abbauen, mit denen heute jede und jeder allein fertig werden muß. Wir könnten beginnen, eine Community zu bilden.

Self Publishing im Schnelldurchgang

3. Dezember 2011

Nur zur Erinnerung: Das erste E-Book haben wir am 4.11. verkauft, bis heute sind es 162. Eine Handvoll PrintBooks wurden Ende Oktober vorbestellt, eine Uni hat gleich 25 Stück geordert, doch eigentlich ging es erst am 4.11. los, mit dem futurezone-Interview und heute sind es 132 Vorbestellungen. Noch am 22. November erreichten uns Korrekturen und wir haben das Manuskript wieder ausgebessert. Von der WORD-Datei zum Lektorat, zum Buchcover, zum E-Book bei Amazon, zum DIY-Satz und Probedruck, zur günstigen Druckerei, zur Community und 306 verkauften Büchern und zum Break Even in 4 Wochen! Man sollte meinen, wir hätten das geplant. Aber weit gefehlt. Wir sind total überrascht, wie schnell alles ging. Was bitte macht eigentlich ein Verlag? (ketzerische Frage)

Wovon handelt unser Buch noch einmal? Ach ja, von der Eigenvermarktung und es verspricht, die Frage zu beantworten, wie man mit einer Community die eigene Kreativarbeit in Einkommen verwandelt. In den vergangenen Wochen haben wir unser eigenes Buch gelesen, einige der Ratschläge des Buches haben wir auf das Self Publishing übertragen. Heute feiern wir den Break Even des Buches, das heisst: Die etwa 2900 Euro, die wir eingesetzt haben, konnten wir schon wieder einspielen. Unsere kleine Theorie des Community Buildings scheint sich zu bewähren. Wenn es so weiter geht, dann beweist der Erfolg dieser Kampagne die Kernthesen des Buches! Eine davon lautet: Warte nicht auf Institutionen, Plattformen, Preisausschreiben oder große Firmen: Wer bitte braucht eigentlich noch Verlage? Self Publishing macht viel Arbeit, aber auch viel Spass.

Was sonst noch passiert ist: Der Verkauf hat sich ein wenig beruhigt, wir haben daher ein Partner- und Affiliateprogramm gestartet um noch sichtbarer zu werden. Partner binden unser Banner und die Leseprobe ein und werden am Umsatz beteiligt. (Beispiel: e-book-news) Außerdem gibt es endlich eine Seite für Wiederverkäufer. Wer uns mindestens 5 Bücher abnimmt, ist für uns ein Wiederverkäufer. (Das könntest Du sein!) Natürlich gibt es dafür attraktive Konditionen. Nach hitzigen Diskussionen haben wir beschlossen, dass es zum PrintBook grundsätzlich unsere DVD als Beileger gibt, auch für die Wiederverkäufer! Wir halten das erste PrintBook in Händen: Uns gefällt es und am Dienstag kommen 500 Stück davon! Mittwoch sind wir dann zu Gast an der Uni Potsdam.

Manchmal erreicht uns eine Nachricht von einem Leser oder einer Leserin und wir freuen uns immer. Vielleicht schreibt ihr einen Kommentar in die Leseprobe, welches Kapitel euch z.B. besonders angesprochen hat. Ihr könnt das auch anonym machen, wenn ihr nicht mit dem Buch unterm Arm gesehen werden wollt. Wir vertragen auch Kritik! Bislang haben wir sämtliche Kommentare sofort freigeschaltet. Los, traut euch.

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